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Sagen aus dem Schwarzwald

Fotos von Frank Bale | http://bale-photographie.de

Wir wollten für unsere Zimmer keine einfachen Tapeten aus dem Netz sondern etwas besonderes und authentisches! Auf unserer Suche sind wir bei unserem guten Freund Frank Bale hängen geblieben. Zusammen mit Frank haben wir aus seinem Portfolio eine bunte Mischung aus Bildern für unsere Zimmer ausgesucht welche die Vielseitigkeit des Schwarzwaldes darstellt.
Viel Spaß und eine gute Nacht!

109 Todtnauberg

Der Scheibenfelsen

Bei Menzenschwand (Hinterdorf) liegen auf der rechten Talseite die Scheibenfelsen. Dort wurden früher an Fastnacht von den jungen Leuten die ,,Scheiben geschlagen“, wie dies heute noch an vielen Orten im Schwarzwald gemacht wird. Bevor das Scheibenschlagen begann, liefen die Burschen hintereinander um das Feuer herum und beteten. Dann hielten sie ihre Scheibe in das Feuer, bis sie glühend war. Mit der glühenden Scheibe eilte der Scheibenschläger an das Schlagbrett (Scheibenstuhl genannt) und rief dabei den Scheibenspruch vor sich her:

„Schibi, Schibo!
Wem soll die Schibi goh?“

Meistens wurde die erste Scheibe der Heiligen Dreifaltigkeit oder wenigstens Gott Vater geweiht, die zweite der Mutter Gottes, die dritte den Eltern, die vierte dem Schatz und jede weitere Scheibe jemand anderem.
Nun schwang er die Scheibe kräftig durch die Luft, schlug sie dann auf dem Schlagbrett auf, und schon sauste sie durch die Nacht hinab ins Tal. Dabei sprach er den Spruch:

„Scheibe, Scheibe, den Rain ab,
Küchlepfanne hat’s Bein ab,
Ankenhafen den Boden aus,
morgen ist die Fastnacht aus!“

Einmal wurden die jungen Burschen einig, dem Teufel noch eine Scheibe zu schlagen. Als diese abgeschlagen war, sauste sie durch die Luft— und flog bis zum Rabenfelsen. Voll Schrecken flohen die Schlagen den nach Hause. Von dieser Zeit an wurden in Menzenschwand keine Scheiben mehr geschlagen.

110 Oberried

Das Oberrieder Kreuz
Vor mehr als 300 Jahren wollten einmal ein Knecht und eine Magd am Rheinufer Futter holen. Plötzlich sahen sie auf dem Rhein herab einen eigentümlichen Gegenstand schwimmen, der allmählich ans Ufer trieb. Sie gewahrten alsbald ein Kruzifix von sonderbarem Aussehen. Der Iebensgroße Körper des Heilandes sah aus wie eine Leiche, die im Wasser gelegen war. Der Knecht und die Magd zogen das Kreuz aus den Fluten, banden es ihrer Kuh auf den Rücken und gingen ins nächste Dorf. Sie wollten den Geistlichen um Rat fragen. Aber im Dorf brachten sie die Kuh nicht zum Stillstehen. Darum sagte der Pfarrer, man solle das Tier Iaufen lassen, wohin es wolle. So ließen sie die Kuh also weiterziehen und gingen mit ihr, gelangten durch Freiburg ostwärts ins Dreisamtal nach Oberried. Dort machte sie vor dem Kloster Halt. Man verbrachte das Kreuz in die Kirche, wo es dann aufgestellt und von jeher hoch verehrt wurde.
Die Leute glauben, der Bart des Heilands sei natürlich gewachsen.
Ein Student aber wolle dies nicht glauben. Er wollte nun die Probe machen, stieg mit einem Rasiermesser auf eine Leiter und fing an, auf der rechten Kinnseite zu rasieren. Aber, o Schreck! Der Student fiel von
der Leiter herab und blieb tot am Boden liegen. Seitdem hat niemand mehr gewagt, das Kruzifix auch nur im geringsten mit Händen zu berühren.

111 Gütenbach

Der Schützenklaus

Vor Zeiten hatte ein Forstknecht die Aufsicht über die großen Waldungen am Kandel auszuüben. Besonders seine Einnahmen aus den Strafgeldern wußte er rücksichtslos und schlau zu mehren. Er verbot den Leuten aus dem Simonswälder Tal und anderen Gemeinden, willkürlich Holz zu hauen, Hunde frei umherspringen zu lassen und Ziegen zu halten. Um zu sehen, ob die Leute sein Verbot befolgten, schlich er nachts an die Häuser und meckerte wie eine Ziege. Waren nun Geißen im Stall, so erwiderten sie sein Gemecker. Dafür zeigte er die Leute bei der Herrschaft an, so daß sie bestraft wurden. Deswegen machte er sich bei allen Leuten im ganzen Tal unbeliebt.

Als einmal eine arme Frau bestraft wurde, wünschte sie ihm an, er möge bis zum Jüngsten Tage meckernd umgehen. Seit seinem Tode geistert er nun in seinem weiten Waldrevier vom Waldkircher und Simonswälder Tal bis nach St. Peter, ja sogar bis nach St. Märgen. Im grünen Jagdanzug spukt er, führt zwei Hunde an der Kette und meckert häufig wie die Geißen. Nach der Betzeitglocke hat er schon viele in die Irre geführt oder mit Steinen beworfen. Fuhrleute, die nach dem Abendläuten noch im Walde sich befanden, hat er beunruhigt, indem er ihre Fuhrwerke festbannte. Als manche ihn verspotteten und zu meckern anfingen, war er im Augenblick da und schleuderte sie den Bergabhang hinunter. Am Kandel aber steht ein Kreuz, bei dem muß man beten, wenn man vom Schützenklaus verschont sein will.

121 Schauinsland

Die Geister am Feldberg

Auf den Feldberg und in den Feldsee hat man früher viele Geister und Gespenster gebannt. Sie rumoren dort besonders nach Kreuzerhöhung und plagen das Vieh nachts in den Ställen so arg, daß die Hirten um diese Zeit mit ihren Herden den Feldberg verlassen müssen.
Ein Fürstabt und zwei andere Mönche aus St. Blasien haben zusammen die Untertanen der Abtei unbarmherzig gedrückt und benachbarte Gemeinden übervorteilt. Dafür mußten sie nach ihrem Tode im Kloster umgehen. Um sie fortzuschaffen, berief man den Kapuziner-Guardian Von Staufen, der wegen seiner Frömmigkeit weit und breit bekannt war. Er beschwor die Geister in Säcke und trug sie mit zwei Männern auf den Feldberg. Dort gingen sie rückwärts dem Feldsee zu und warfen ihre Last, ohne umzuschauen, hinein. So waren die Geister in den Feldsee und seine nächste Umgegend gebannt, wo sie sich nun in den heiligen Zeiten öfters zeigen.
Zuweilen fischen sie am See oder jagen in Jagdkleidung im Walde. Einem Löffelschnitzer von Menzenschwand begegneten sie in ihrer Ordenstracht, einer hinter dem andern gehend, auf der Bärhalde. Der vorderste, durch sein goldenes Kreuz als Abt kenntlich, sagte: „O weh!“ Der zweite: „Die Armut!“ Der dritte: „Das ungerechte Gut!“ Mit diesen Worten gingen sie an dem Mann vorüber, und dieser konnte dabei bemerken, daß ihre Gesichtshaut wie Tannenrinde aussah.
Drei andern Menzenschwandern, die am Vorabend des Christtages über den Feldberg gingen, kamen die Mönche auf Kohlrappen entgegen geritten. Sie trugen schwarze Kutten, hatten aber keinen Kopf. Sie sprengten eine Zeitlang neben den Männern her und riefen beständig: „Unrechtes Gut, du hast uns betrogen!“ Erst an einem Kreuzweg verschwanden sie.
Auch von weither sind Poltergeister hier herauf gebracht worden. In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der Geist des verstorbenen früheren Eigentümers und machte solchen Spektakel, daß die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zweck ließen sie nacheinander etliche Geistliche kommen; aber keiner von ihnen vermochte über das Gespenst Herr zu werden. Endlich berief man einen Pfarrer von ausgezeichneter Frömmigkeit, zu dem der Geist gleich sagte: „Was willst du mit mir? Hast du nicht auch einmal beim Vorbeigehen an einem Rübenacker eine Rübe herausgezogen?“ — „Ja, das habe ich getan“, antwortete der Geistliche, „aber weißt du nicht, daß ich nur die eine Hälfte aß und in die andere, die ich zurückließ einen Groschen steckte und damit die ganze Rübe übergenug bezahlte?“ Darauf mußte das Gespenst schweigen und dann auf des Priesters Beschwörung sich in eine Flasche begeben. Die wurde nun zugedeckt und von einem rüstigen Manne in einem neuen Reff nach dem Feldberg getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht rückwärts sehen, keinen Schritt zurückgehen und das Reff nicht abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde. Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme: „He, ihr geht ja fehl! Wenn ihr auf den Feldberg wollt, so müßt ihr den andern Weg einschlagen!“ Betroffen schaute er um, erblickte aber niemand. Im gleichen Augenblick war die Flasche fort und wieder im Hause.
Aufs neue mußte der Mann sie dann von dort forttragen. Diesmal jedoch machte er alles recht und gelangte, von seiner Last fast erdrückt, auf den Gipfel des Feldbergs. Dort mußte das Gespenst nun endgültig bleiben.
Ein andermal ist die Geisterbeschwörung völlig misslungen. In einem Haus zu Todtnau sollte ein Kapuziner einen Geist beschwören. Er verrichtete also seine Gebete und bannte den Störenfried in eine Flasche, die zum Feldsee gebracht werden sollte. Aber trotz hoher Belohnung wollte sich niemand dazu herbei lassen. Endlich fasste ein Mann hierzu den Mut, besprengte sich mit Weihwasser und trug in den drei höchsten Namen die Flasche dem Feldberg zu, um sie in dem See zu versenken. Je länger und je weiter er ging, umso schwerer wurde der Geist, so daß es dem Manne fast nicht mehr möglich war, ihn weiter zutragen und vor Sonnenuntergang das Ziel zu erreichen. Schließlich war er dem See bis auf einige Schritte nahe gekommen, da zersprang die Flasche, und der Geist konnte entweichen. Er sprach noch zu dem Träger: „Hättest du dich nicht so gut gesegnet oder gar umgeschaut, so könntest du jetzt etwas erleben!“

122 Linachtal

Die sieben Jungfrauen zu Vöhrenbach

Als Vöhrenbach noch heidnisch war, siedelten sich in seiner Nähe sieben christliche Jungfrauen an und führten ein klösterliches Leben. Sie brachten manche Männer, Frauen und Kinder zum wahren Glauben, zogen sich aber dadurch den Haß der andern Vöhrenbacher, vornehmlich des Schultheißen Mändle, zu. Auf seinen Befehl nahm man sie gefangen und versuchte durch Folter, ja durch Androhung des Todes, sie vom Christentum abzubringen. Da alles vergeblich war, wurden sie von einem falschen Zeugen der Zauberei angeklagt und vom Stadtrat, trotz ihrer offenbaren Unschuld als Hexen zum Feuertod verurteilt.
Bevor man den Scheiterhaufen anzündete, sprach eine der Jungfrauen: „So gewiß sind wir unschuldig, als Vöhrenbach dreimal verbrennt!“
„Als der Stadtrat nie ein Jahr lang vollzählig bleibt und das Geschlechter Mändle ausstirbt!“ sagte die zweite – „Ihr das Hochgericht verliert“ die dritte – „Eure Silbergruben unergiebig werden!“ die vierte – „eure Obstbäume keine Früchte mehr tragen!“ die fünfte – „euer Götzentempel eingeht!“ die sechste. Ungeachtet dieser Drohungen verbrannte man die sechs Jungfrauen miteinander, die siebte aber verschonte man in der Hoffnung, sie noch von Christus abspenstig machen zu können.
In der folgenden Nacht sah diese Jungfrau ihre Gefährtinnen in der himmlischen Herrlichkeit und beteuerte darauf vor den Richtern, daß sie niemals ihrem Heiland untreu werde. Da ward auch sie verbrannt. Zuvor aber warf sie vom Scheiterhaufen aus noch ein Gebund von sieben goldenen Schlüsseln auf die Erde und sagte: „So gewiß bin ich unschuldig, als da, wo ich die Schlüssel hinwerfe, ein Brunnen entsteht. Darin wird alle sieben Jahre, am Karfreitag vor Sonnenaufgang, ein Fisch mit den Schlüsseln um den Hals erscheinen; aber nur der kann ihn sehen, der ganz von Sünden rein ist.“ Im Augenblick entsprang auf dem Platz eine Quelle, und auch die übrigen Vorhersagungen der Jungfrauen gingen mit der Zeit alle in Erfüllung. Jetzt steht da, wo die Verbrennung geschehen ist, ein Michelskirchlein, man heißt es auch „Zur Sieben-Frauen-Kapelle“ Darin ist auf einem Motivbild die Verbrennung der sieben Jungfrauen dargestellt. Zu der Kapelle wie zu den Brunnen, der bei ihr hervor quillt und Heilkraft besitzt, macht man Wallfahrten, besonders tun das junge Mädchen, die gewöhnlich zu sieben miteinander gehen. In dem Brunnen ist auch der Fisch mit den Schlüsseln zu der Goldkiste schon gesehen worden. Wo diese Kiste verborgen liegt, ist freilich niemand bekannt.

123 Stohren

Das Brandkorn

In einem Hungerjahr kamen zwei arme Kinder, ein Mädchen und ein Knabe, aus dem Münstertal zu einem reichen Bauer und baten ihn um Brot. Der Bauer aber wies sie barsch ab. Hungrig warteten sie vor dem Hause, bis das Tischtuch zum Fenster hinausgeschüttelt wurde, und lasen dann die Brotsamen auf.
Hierauf gingen sie in die Scheuer, wo gedroschen wurde, und suchten die Brandkörner zusammen, um sie ihren Eltern zu bringen. Auf dem Heimweg wurde dem Mädchen die Schürze und dem Buben die Kappe, worin sie das Brandkorn trugen, sehr schwer. Als sie zu Hause sie ausleerten, fiel lauter Gold heraus. Darüber freuten sie und ihre Eltern sich sehr. Nachdem der reiche Bauer dies erfahren hatte, ließ er die übrigen Brandkörner auch sammeln und aufbewahren; allein diese wollten sich nicht mehr in Goldstücke verwandeln.

130 Schauinsland

Das Huttenweiblein
Eine Bäuerin von Sölden pflegte sonn- und feiertags mit Holzhippe und Hutte auf den Schönberg zu gehen und Holz zu lesen. Wegen dieser Entheiligung muß sie seit ihrem Tod auf dem Berg und in dessen Umgebung spuken. Weil sie eine Hutte trägt, wird sie das Huttenweiblein genannt, Sie ist alt und klein, stützt sich auf einen Stock und hat ein Strohhütlein auf. Ihre Jacke und Handschuhe sind mit Pelz besetzt. Der eine ihrer Strümpfe ist weiß, der andere rot. Übrigens kann sie sich in vielerlei Gestalten von Menschen und Tieren verwandeln. Häufig schreit sie:

„Hu! hu! hu!“

Manchmal aber, besonders wenn sie in den Kronen der Tannen sitzt, singt sie:

“Heute strick‘ ich
morgen näh ich!“

In ihrer Hutte hat man schon Farnkraut wahrgenommen. Auch trägt sie öfters Leseholz, das unbewacht im Walde gehäufelt Iiegt, zum Verdruß der Eigentümer fort. Einer Frau aus Freiburg, die, ehe sie in die Frühmesse ging, im Sternwald Himbeeren sammelte, begegnete das Huttenweiblein und sagte zu ihr: „Hättest du keinen guten Gedanken gehabt, so wollte ich dich gezeichnet haben!“ Zu einer anderen Frau kam es zwischen Ebringen und Sölden und fragte sie: „Kätherle, wohin willst du?“ Da wußte die Frau, die nicht Katharina hieß, gar nicht mehr, wo sie war. Sie fand sich erst wieder zurecht, als sie stundenlang den Wald durchirrt hatte.
Eines Abends traf ein Geflügelhändler, der nach Pfaffenweiler heim wollte, bei Kirchhofen ein schönes Reh; das war das Huttenweiblein. Auf einen Lockruf kam es herbei und ließ sich von ihm streicheln. „Das ist etwas für die Küche!” dachte er bei sich und wollte ihm eine Schnur um den Hals binden. Aber da ward das Rehlein so riesengroß, daß er voll Schrecken davonlief. Die ganze Nacht rannte er in der Irre umher und erkannte erst am Morgen, daß er sich auf der Eschholzmatte bei Freiburg befand.
Ein Mann, der nachts durch den Bitterswald ging, rief spottend: „Huttenweiblein, komm und trag‘ mich!“ „Hu! hu! hu!“ Schnell wie der Wind war es da, packte ihn, trug ihn auf die Todtnauer Höhe und stellte ihn so tief in den Sumpf, daß er nur mit vieler Mühe sich wieder heraus schaffen konnte.
Andere Männer, die im Feld bei Pfaffenweiler das Geschrei des Weibleins spottweise nachmachten, bekamen von ihm solche Ohrfeigen, daß einigen die Hüte von den Köpfen flogen, andere sogar zu Boden fielen. In den Ortschaften, die um den Schönberg Iiegen, pflegt man die Kinder mit dem Huttenweiblein fürchten zu machen.

131 Schluchsee

Der Hausgeist zieht mit um

In uralter Zeit stand der Hof Unterkrummen ganz unten an der Straße, die heute von Aha über Muchenland nach St. Blasien zieht. In diesem Hof trieb seit langem ein Geist sein Unwesen, der Menschen und Vieh plagte. Um den Plagegeist, gegen den kein Zauberspruch half, endlich loszuwerden, entschloß sich der Bauer, den ganz aus Holz erbauten Hof niederzureißen und etwa einen Kilometer weiter oben im Tal wieder aufzurichten. Als die letzte Fuhre Holz von dem alten Hausplatz weggeführt werden sollte, sagte der Bauer halb zu sich selbst, halb zu den Knechten: „So, haben wir nun alles?“ – „Ja“, rief hohnlachend eine Stimme vom Wagen herunter, „ihr habt alles!“ Es war das Gespenst, das mit dem letzten Balken zur neuen Heimstätte fuhr. Hätte man diesen Balken auf dem alten Hausplatz liegen lassen, wäre auch das Gespenst dort geblieben.

132 Kandel

Der Hexentanzplatz auf dem Kandel

Im Breisgau treffen sich alle Hexen auf dem Kandel beim Hexentanzplatz. Dann gibt es eine „große Fastnacht“. Einige hundert Hexen fliegen von allen Seiten herbei, die meisten auf gesalbten Stöckchen, einzelne auch in Kutschen, die mit Schimmeln bespannt sind. Man hat auch Züge von vier Katzen und vor dem Wagen eine halbe Laterne gesehen. Ehe die Hexen abfahren, rufen sie aus:

„In tausend Teufels Namen!“

Während der Fahrt zu reden, ist ihnen verboten. Erscheinen Jungfrauen zum ersten mal in der Gesellschaft, so werden sie durch einen Ehrenplatz und durch ein Kränzlein ausgezeichnet. Alte häßliche Weiber werden auch in diesen Versammlungen über die Achsel angesehen; sie gelten nämlich nicht viel. Ihr Geschäft ist, Lichtstöcke zu bedienen und Teller zu spülen. Oft sitzen sie stundenlang neben dem jungen Volk, über das sie sich lustig machen, von dem sie aber nicht bemerkt werden, weil sie sich in Nebel zu hüllen verstehen.
Die Tische sind aufs reichlichste gedeckt mit Braten und gehackten Pasteten, mit Fischen und Wildbret. Nur Salz und Brot fehlen. Weißer und roter Wein wird in Überfluß getrunken aus goldenen und silbernen Bechern, aber auch aus kleinen Krügen. Im ganzen geht es ruhig her, bis der Tanz seinen Anfang nimmt. Dann aber wird getrommelt und gepfiffen und auf Geigen musiziert. Ein vorzüglicher Spielmann soll ein früherer Schultheiß von Oberwinden gewesen sein. Er nahm vom nächsten Zaun irgendeine Rute und pfiff darauf die muntersten Tänze. Ist es gerade keine hohe Fastnacht, dann begeben sich die Waldkircher Hexen auf den Kastelberg. Manchmal besuchen sie auch ihre Freiburger Schwestern auf dem Nägelesee bei Freiburg.